Eine realistische Chance zu haben, einen ersten Platz beim Landeswettbewerb des Projekts Junior zu belegen – das hatten sich die Leibnizianer, die in diesem Schuljahr die beiden Firmen Mattentat und Spielmacher gegründet haben, durchaus vorstellen können. Als die Jury am Mittwoch in Stuttgart jedoch ihre Entscheidung verkündete, konnte keiner der Schüler des Wirtschaftskurses von Silke Pach so recht glauben, dass der heimliche Traum nun zur Wirklichkeit geworden ist. Beide Schülerfirmen fahren nach Berlin. Dort findet im Juni der Bundeswettbewerb statt.
„Die Schüler haben dieses Jahr so viel geleistet, dass sie den ersten Platz mehr als verdient haben. Ich bin unglaublich stolz auf sie“, jubelte denn auch Silke Pach. Dabei sei das Ergebnis ein absolutes Novum: „Noch nie hat die Jury gleich zwei Firmen einer Schule als Vertreter des Landes Baden-Württemberg zum Bundeswettbewerb nach Berlin geschickt.“ Doch sowohl Mattentat als auch Spielmacher konnten in Stuttgart auf vielen Ebenen punkten: Gelobt wurden insbesondere die Messestände, das 2,80 Meter große Modell des Testturms sowie die Mattenausstellung, das professionelle Auftreten der Schülerfirmen, die sich als Team präsentierten und nicht zuletzt die starken Umsatzzahlen.
Beiden Firmen sei es gelungen, eine Marktlücke aufzutun, hieß es aus Jury-Kreisen. Beeindruckt waren die Jury-Mitglieder zudem von der Zusammenarbeit der Firmen mit außerschulischen Partnern sowie von der Vernetzung in der Region, ob mit der thyssenkrupp AG oder mit dem Vorsitzenden der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Volker Kauder. Auch die jeweiligen Geschäftsideen fanden Anklang: „Ob Brandenburger Tor, Kölner Dom oder die Stadtsilhouette von Rottweil: Die Firma Mattentat schafft mit ihren Produkten Identifikation, ja Heimatverbundenheit mit der eigenen Region“, betonte Stefan Küpper, der als Geschäftsführer der Südwestmetall ebenso der Jury angehörte. Beide Geschäftsideen seien nicht nur erfolgreich, sondern auch überregional übertragbar, lobte er die Schüler. „Da lässt sich leicht etwas Neues daraus entwickeln.“
Doch zunächst gilt es, auch auf Bundesebene mit dem eigenen Konzept zu überzeugen. Im Wirtschaftsministerium, das den Wettbewerb ausrichten wird, wartet eine hochkarätig besetzte Jury auf die Leibnizianer. Und dank der Einladung in den Bundestag werden die Schüler aller Voraussicht nach auch Bundeskanzlerin Angela Merkel und Finanzminister Wolfgang Schäuble treffen. Viel spannender war im ersten Augenblick aber noch ein ganz anderes Thema: „Unsere Mädels müssen im Abendkleid und wir im Smoking beim Abendempfang erscheinen“, erklärte Aaron Weisser von Mattentat und grinste: „Das ist mal echt eine Herausforderung.“
Ein Jahr lang haben etwa 1.800 baden-württembergische Schülerinnen und Schüler im Rahmen der JUNIOR Programme ihr eigenes Unternehmen geführt. Sie haben eine Geschäftsidee entwickelt, sich auf die Suche nach Geldgebern gemacht, Kunden akquiriert und über ihre geschäftlichen Tätigkeiten Buch geführt. Gestern haben die zehn besten JUNIOR Schülerfirmen beim Landeswettbewerb 2016, im Haus der Wirtschaft in Stuttgart, um den Titel „Bestes JUNIOR Unternehmen Baden-Württemberg 2016“ und die Teilnahme am Bundesfinale in Berlin gekämpft.
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